kaufgeschichten

Heute habe ich sie kennengelernt.
Ich war im Plus. Kurz vor 8. Die Kassenschlange ging an den Gefriertruhen vorbei, hinter zur Wursttheke, am Gemüse entlang, durchs Lager auf die Straße, ein Stück die Anhöhe rauf bis auf die Kreuzung – kurz: sie war lang. Sie war so lang, dass sie kurz davor war, eine Eigendynamik zu entwickeln. Irgendetwas zwischen Tomatenschlacht und kollektivem Ladendiebstahl. Um kurz vor acht.
Als gerade das Licht ausging, weil die Zeitsteuerung ab 8 Strom spart, lernte ich sie kennen. Die Frau, die schlimmer ist als jene, die kurzsichtig an der Kasse sich über ihr Portemonaie beugt und deklamiert „Warten sie, ich habs passend“.
Da stand sie nun.
Im Dunkeln.
Kurz nach 8.
Sie schaute auf die Summe, die die Kasse gerade leise ratternd ausrechnete und stellte fest, dass diese leicht höher war, als der ihr zur Verfügung stehende Geldbetrag.
Wie versteinert stand sie da.
Nach 8.
Überlegend, wovon sie sich jetzt trennen müsste, damit sie gerade so bezahlen könnte.
Das Wasser?
Der Saft?
Das Hackfleisch?
Gut, Wasser würde es auch aus der Leitung geben…
Beinahe mechanisch mutete dieser Vorgang an, und man konnte trotz des abgeschalteten Stroms genau erkennen, was sie dachte.
Deutlich nach 8 im Plus.
Die Menge fing an Tipps zu geben.
„Nimm das Hackfleich“ riefen die Einen.
„Wasser haste ausm Hahn“ die Anderen.
Da nahm sie den Saft.
Den Saft.
Kurz vor 9.

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Gedanken auf dem Nachhauseweg

Music was my first love singt John Miles gerade. Orgiastisch.

Was ist schon eine tolle Party mit vielen Menschen, wenn der Eine fehlt? Worauf soll mein Auge ruhen, wenn nicht auf ihm?
Was nutzt all die laute Musik, wenn Du es bist, die ich hören will.
Dein Duft, der sich mir eingeprägt, übertönt all den lauten Gestank, die billigen Schreie nach Aufmerksamkeit.
Wo ist die Ruhe, in die Du mich hüllst und deren Farben mir so vertraut?
Da ich Dir diese Zeilen nicht schreibe, sondern diesem Blog, liegst Du weit weg und schläfst.
Weißt nichts von alldem.
Schlaf schön, Stern, der Du über meinen Träumen stehst.
Schlafe schön.

Sommeranfang

Ist das warm?
Die Pfützen tauen auf, Eisblumen entfernen sich von den Scheiben, die Bäume treiben Grün aus abgestorben geglaubten Zweiglein, buntgekleidete Menschen sitzen in Straßencafes und Frauen zeigen zögerlich Dekolletees. Toll.
Ich sitze im Büro und beobachte, wie meine Haut reagiert, wenn mir zu warm ist.
Ich könnte schon mal mit dem Training für den Sommer anfangen:
Aufstehen – Fenster auf – hinsetzen – bissel arbeiten – in mich hineinhorchen, ob die Temperatur so okay ist – arbeiten – mich über hupende Autos aufregen – in mich hineinhorchen – aufstehen – Fenster schließen.
Ruhe.
Steigende Temperatur beobachten – in mich hineinhorchen – das Gefühl einer sich bildenden Schweißperle ausmachen – zu ignorieren versuchen – und das Ganze von vorn.

Ab dem frühen Nachmittag bekomme ich so langsam Zyklen von weniger als fünf Minuten Laufzeit hin.

Witzig finde ich auch, wie Wärme Erinnerungen auslöscht. Noch gestern hatte ich mich darüber aufgeregt, dass es in meinem Büro nicht auszuhalten kalt ist und dass neueste Studien beweisen, dass die höchste Effizienz bei Büroarbeiten bei über 24 Grad liegt.
Eben war ich beim Chef und berief mich auf eine Studie, die 19 Grad als völlig ausreichend erachtet.

Bin ich schizophren?

Oder ich?

Sonne?

Gentleman lässt gerade die Sonne in meinen Lautsprechern und meinem Herzen aufgehen.
Gibts da Überschneidungen?
Der große Stern aber, dessen rötliches Licht normalerweise vor mir links immer über die Häuserdächer schwappt, lässt sich davon nicht beeindrucken.
Ob ich mal lauter mache?
Hm.
Immernoch nicht.
Über mir regt sich was.
Genauer gesagt, es regt sich auf.
Spießer.
So bekommen wir die Sonne nie wach…

Eben gab es Erdbeeren zum Frühstück. Im Winter. Wahnsinn. Sowas hätte ich niemals im Kühlschrank gehabt. Nicht im März.

Leben wir nicht in einer unglaublich schönen Welt? Einer Welt mit Engeln und Erdbeeren, mit akustischem Sonnenlicht und der Aussicht auf 20 Grad, mit Freunden und Menschen, die es sein könnten…