ups and downs

Auf ben_s sehr guten Post hin, habe ich mir sofort das neue Jazzkantine-Album „Hell’s Kitchen“ aus meinem iTunes gepresst. Ich finde ja Cover gut, und wenn sie auf richtigen Instrumenten von richtigen Menschen gemacht sind, umso mehr. Ich habe schon nicht gezögert, mir „Rock swings“ von Paul Anka druckfrisch zuzulegen, so ists, dachte ich zumindest, nur konsequent, auch die neue Jazzkantine zu besitzen.

Zum Glück bin ich kein Fan

Der Satz fasst eigentlich gut zusammen, was ich meinem Neuerwerb gegenüber empfinde. Ich mag Jazzkantine nicht so, als dass ich die Platte gutfinden müsste, ich mag Metallica nicht so sehr, dass ich die Platte Scheiße finden müsste. Sie ist weder gut noch schlecht, lebt aber zugegeben von den geladenen Gastmusikern. Ganz vorn und das Highlight des Albums ist „Back in Black“ mit Max Mutzke. Um den Tiefpunkt buhlen gleich mehrere Titel, „Smoke on the Water“ hat dann aber doch recht klar das Rennen gemacht, weil es schon wieder Begabung bedarf, eine so gute Vorlage derartig unterirdisch zu interpretieren. Seicht, instrumental und so flach, dass selbst André Rieu beim Hören einschlafen würde.

swing when you’re listening

Hab gerade noch zu tun und tat mich schwer in der Auswahl der passenden Musik. Bin irgendwo auf Michael Bublé gestoßen. Ganz seichter Swing. Glatte Stimme, nicht herausragend aber auch nicht langweilig. Tolle Arrangements, gespielt von einer wunderbaren Band. Ist es Blasphemie, wenn ich ihn zu Robbies „Swing when you’re winning“ stelle? „It’s time“, seine letzte Veröffentlichung, hat den Swing raus. Aber auch bei seinen anderen Alben wippt der Fuß mit.
Zu guter Musik gesellt sich eine gute Vermarktung. Seine Site besteht beinahe ausschließlich aus einem Webshop. Da wundert es nicht, dass Anfang Dezember in Europa auch von ihm eine zwei Jahre alte Weihnachtsplatte (Maxi-CD) erscheint, die man sich aber getrost gleich neben die von Diana Krall stellen kann.
Wenn Michael Bublé auch nicht so souverän wie Robbie Williams klingt, kann ich die „It’s time“ dem Liebhaber leichten Swings wirklich ans swingende Herz legen. Außerdem ists keine schlechte Geschenkidee für alle, die noch nicht wissen, was sie sich von Oma wünschen sollen, sie aber auch nicht in die Drum’n’bass-Abteilung des örtlichen Tonträgergeschäfts schicken wollen. Das hört selbst sie sich an, ohne den Kopf zu schütteln und zu sagen „Kind, das ist doch keine Musik. Du machst Dir doch die Ohren kaputt. Das stand neulich erst wieder in der Apothekerzeitung“.

up and away

Wir hatten deutsche Künstler und wir hatten Swing. Warum sollen wir nicht Swing von deutschen Künstlern haben?
Brauchen wir einen zweiten Sinatra? Nein. Aber wir brauchen gute Musik. Und wenn die so klingt, als sänge Sinatra höchst selbst, dann brauchen wir sie.
Und Tom Gäbel macht gute Musik. Wer Big-Band-Swing mag und sich die ganzen Klassiker dieses Genres noch nicht übergehört hat, für den ist das Album „Introducing myself“ eine Empfehlung. Kraftvoller Big-Band-Sound und eine gute Stimme, die wirklich an die Großen erinnert, sowie ein wirklich guter Klang machen dieses Album aus. Es ist nicht perfekt, kein Vergleich zu einem Ratpack, aber es ist schön und es ist neu.
Wunderbar, dass solche Musik noch gemacht wird und toll, dass sie sich verkauft.