Wer saugt und was und warum

Nebenbei aktualisiere ich ja ebenso spärlich wie hier einen Internetblog. Eine Weile habe ich überlegt, wo ich das jetzt reinschreibe. Da es aber eigentlich gar nicht das Netz sondern nur die Contentindustrie betrifft, kommts nun hier:

Ich kaufe gerne Alben

Ich bin die Zielgruppe. Ich bin perfekt für die Musikindustrie. Wenn mir ein Lied gefällt, dann suche ich das Album dazu raus und in der Regel kaufe ich dieses. Heute kam im Radio die Albumversion dieses Liedes:

Geil. Das Lied ist auch noch von Regina Spector, von der ich sowieso jedes Album kaufe, als ab nach Amazon. Dort steht dann nur

Dieser Artikel wird am 25. Mai 2012 erscheinen.

Ganz toll. Nicht nur, dass ich so lange nicht warten kann, bis dahin habe ich sogar vergessen, dass ich das Album überhaupt kaufen wollte, ich werde vergessen haben, dass Regina Spector ein Album rausbringt, ich werde Regina Spector vergessen haben, wenn mich nicht jemand danach fragt.

Musik lieben heißt warten lernen

So wurde schon immer verfahren. Schon immer wurden Alben produziert, an eine kleine Gemeinde, meistens ausgesuchte Musikjournalisten, Liebhaber, Radiosender verteilt und viel später veröffentlicht. Sehr oft wurden Alben auch in unterschiedlichen Ländern zu unterschiedlichen Zeiten veröffentlicht. Das war in den 80er noch nicht schlimm. Na klar gabe es Leute, die Platten aus Amerika nach Deutschland gebracht wurden und die hier auf Kassetten kopiert wurden, noch ehe sie im Laden erschienen. Doch gerade die Industrie hat uns eine Globalisierung beschert, die jegliche Ländergrenzen entfernt. Contentmäßig sind wir hier genau wie in den USA Menschen mit Konsumbedürfnis. Nun, und jetzt kommt das Internet in einer Nebenrolle ins Spiel, ist es aber seit den 80er deutlich einfacher geworden, Musik über Kontinente hinweg zu transportieren und, dumm gelaufen für die Contentindustrie, auch, diese zu kopieren.

Platten und Äpfel

Der Drang Musik zu konsumieren ist es, der der Musikindustrie zu schaffen macht. Klingt komisch, ist aber so. In den Zeiten von Filesharing gab es keine ernstzunehmenden Möglichkeiten, Musik sofort online zu kaufen und zu konsumieren – außer Tauschbörsen. Hier fand man tatsächlich alles. Alben, die längst nicht mehr im Laden zu finden waren, Limited Editions und vieles mehr. Viel einfacher und viel schneller als auf dem herkömmlichen Weg (in den Laden gehen, Platte vorbestellen, warten, abholen, anhören). Und nebenbei natürlich auch billiger. Wäre die Musikindustrie schneller gewesen, hätten sich Labels zusammengeschlossen, um Musik möglichst schnell, möglichst einfach an die Hörer zu bringen, wäre sie gekommen mit Abo-Modellen, mit Cloud-Speicher, mit der Möglichkeit, in jeden beliebigen Song dieser Welt reinzuhören, dann hätte die Musikindustrie das Feld nicht nur nicht kampflos den Börsen, den Uploadern und den iTunes überlassen, sie hätten eine reale Überlebenschance gehabt. Ob ein Song nun 99Cent kostet oder nichts, das interessiert glaube ich die Allerwenigsten. Er muss nur einfach und vor allen Dingen genau jetzt genau hier zu haben sein. Dieses Wesensmerkmal unserer Zeit hat die Musikindustrie gründlich verschlafen.
Einen ähnlichen Weg wie die Musikindustrie geht Apple. Apple genießt es, wie die Vermutungen hochkochen, woran in Cupertino gefeilt wird, wie die Emotionen hochkochen, wenn es Gewissheit ist und wie Menschen im Winter vor Geschäften campieren, um Teil dieser Gewissheit zu werden. Apple released auch zuerst in den USA und erst später in Deutschland. Es ist zweifellos möglich, sich trotzdem eines der ersten iPads in den USA zu sichern und mit nach Deutschland zu bringen, jedoch übersteigt der Aufwand einer Kopie deutlich die Anschaffungskosten 😉
Die Welt hat sich geändert. Die Contentindustrie hat das verschlafen.

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Unenttäuscht

Ich war enttäuscht. Irgendwann muss es mal einen Grund dafür gegeben haben. Den habe ich vergessen, um mich besser auf meine Enttäuschung konzentrieren zu können.
Gestern nun wich diese Enttäuschung bassem Erstaunen, als ich im Briefkasten einen Brief von Emily Elbert vorfand. Vor reichlich einem Jahr hatte ich auf ihrer Website eine CD von ihr gekauft. Als die nach einem Monat immernoch nicht bei mir war, fing diese Enttäuschung an.

Jetzt aber halte ich eine wunderschöne CD von einer der talentiertesten Musiker in den Händen. „Proof“, die jetzt auch über iTunes zu bekommen ist. Nur dort eben nicht handsigniert. Eine professionell klingende Platte, auf der ich nur ihr virtuoses Spiel vermisse. Ein bisschen zu wenig Kunst, ein bisschen zu viel Pop. Dennoch echt gut, und Wert, ein Jahr darauf zu warten.

locker

Emily and Kaki BWKaki King ist 30. Das ist, aus meiner Perspektive gesehen, nicht wirklich alt. Dennoch hat sie für mich so etwas, wie einen Göttinnenstatus allein dadurch erlangt, dass sie unfassbar vielseitig, unglaublich präzise und sensationell locker Gitarre spielt.

Zufällig bin ich nun hier auf Emily Elbert gestoßen. Die wiederum ist erst 20, spielt verteufelt locker, ja flapsig Gitarre und singt dazu, als wenn es das Selbstverständlichste wäre.
Unfassbar.

Hier singt sie einen Song, den ich zuvor von Sara K. kannte und liebte, vor allem auch, wegen seiner beeindruckenden Aufnahmequalität. Emily Elbert singt ihn scheinbar in irgendein Laptop-Micro, aufgenommen von einer Webcam. In einem Rutsch – ohne Schnitt.
Wow.

virtuos

Wenn ich nach Hause komme, umgeben mich Gitarren. Ein Klavier und Flöten, ein Didge und Trommeln auch, aber vor allen Dingen Gitarren.
Früher hatte ich mal an der linken Hand ganz kurze Fingernägel – rechts waren sie dafür lang.
Wenn ich dieses grandiose Video sehe

http://video.ted.com/assets/player/swf/EmbedPlayer.swf

erinnere ich mich daran. Nicht aber, dass ich je auch nur wenigstens ein Tausendstel so gut gespielt hätte, wie Kaki King. So heißt diese zauberhafte grandiose junge Frau, die in spielerischer Leichtigkeit ihrer Gitarre Töne entlockt, dass ich ein Weinen nur ganz knapp unterdrücken kann.
Ich knie.
Seit einer Stunde schon, die ich diese kurze Video immer und immer wieder wiederhole. Und sehe den Nägeln meiner rechten Hand beim wachsen zu…

[via Christian]

Weihnachten und Ukulele

julia-wade

Ich habe mir CDs gekauft. Die meisten aus dem Netz. Irgendwann muss ich mal darüber schreiben. DSDS habe ich auch gesehen, darüber schreibe ich mit Sicherheit nichts. Eben aber habe ich mal wieder ein paar Julia Nunes Videos angesehen. Mein Favorit ist immernoch

Der Typ im grünen Fummel ist übrigens Wade Johnston. Auf seiner Seite fand ich dann diese wunderbaren WeihnachtsGrüße (#1, #2, #3, #4, #5, #6 und #7) die mich gleich wieder bissel weihnachtlich stimmten und an das herausragende großartige Projekt One World One Voice erinnerten. Dieses Album lege ich mir gleich mal ein und morgen gehe ich auch eine Ukulele kaufen. Das scheint ja ein regelrechter Trend im Internet zu sein.

Bassmassage

Seit Weihnachten höre ich sie nun nahezu ununterbrochen. Nie habe ich ausreichend Zeit, ihr ein würdiges Denkmal zu setzen. Immer will ich es in die Welt schreien, womit ich mich betäube. Warum man sich mit mir nur schreiend unterhalten kann, weswegen ich ergeben in die lärmenden Kopfhörer hineinlausche, ich im Auto nicht einmal hören würde, wenn mir der Auspuff direkt am Krümmer abbricht und was, liebe Nachbarn, Eure Fußböden massiert. Seit nunmehr Monaten höre ich das großartige Debut „Stadtaffe“ von Peter Fox.

Ich mag seine einfachen Texte. Aus ihnen spricht die Stadt die niemals schläft. Mein Berlin. Die Kompositionen sind gut, abwechslunsgreich aber nicht kunstvoll. Großstadt eben. Was mich mal für mal umhaut, beeindruckt und betäubt ist die Produktion. Unfassbar fett, unglaublich tief und irrsinnig detailverliebt. Konnte ich nach dem ersten Hören noch ganz klar ein Lieblingslied ausmachen, ist es jetzt das ganze Album. Ein Album, dass man sich scheinbar nie über hört.
Fett