nun also doch

Allerorten ist bereits genügend zu lesen gewesen über den tumben Versuch, mit im Internet aufgestellten Stoppschildern Kinderpornografie beizukommen. Es gibt unzählige Netzbewohner, die den Staat auffordern, entschlossen gegen dieses Verbrechen vorzugehen, anstatt den älteren netzfernen Eventuell-Wählern Aktionismus vorzugaukeln.
Was mir daran am meisten Schmerzen bereitet, ist, dass die damit eingeführten Stasi-Methoden, nämlich das personenbezogene Speichern von Bewegungsprofilen von der Politik geleugnet werden. So ist es möglich, im Interview mit derselben Person einerseits zu hören „wer aus Versehen auf so eine Stoppschildseite gerät, wird auf keinen Fall gespeichert“ und kurz darauf „wenn aber jemand öfter so eine Seite zu sehen bekommt, schalte sich das BKA ein“.
Das soll mir jemand mal technisch erklären. Wie ist es möglich, ohne zu wissen, wer gerade das Stoppschild zu sehen bekommt, sagen zu können, wie oft er es schon gesehen hat?

Egal. Fallt auf dumme Lügen dummer alter Leute rein oder nicht. Was mir eher Bauchschmerzen bereitet ist, dass der Statt, die Politik und damit die dieselben alten Leute mehr und mehr versuchen, das gesamte private Leben zu reglementieren. Und hier liegt der eigentliche Fehler. Sehr gute Kommentare dazu gibt es im Tagesspiegel, Spreeblick, Popkulturjunkie und ben_.

Seit seiner Existenz setzt sich der Mensch spielerisch mit Regelvertoß, ja mit Krieg auseinander. Nicht, um es besser zu beherrschen, sondern um dieser ihm angeborenen Triebe Herr zu werden. Immer wurden ihm Freiräume dazu geschaffen. Nun nimmt sich eine Horde gelangweilter alter Menschen das Recht heraus, nach eigenem Gutdünken zu entscheiden, wie kriegerisch dieses Spiel anmuten darf und verbietet nicht nur Computer-SPIELE in denen man sich spielerisch erschießt, sondern auch Paintball, bei dem sich Erwachsene Menschen gegenseitig mit Farbe beschießen.
Der kommunizierte Grund dieses Verbots ist erstmal kein Schlechter, aber mal ehrlich, wer glaubt denn ernsthaft, dass eine Welt friedlicher ist, in der Mau-Mau die einzige Möglichkeit ist, gegeneinander anzutreten und Mut und Stärke zu beweisen.

Arme Alte. Ihr habt das Spiel um Macht gewonnen – ohne es je gespielt zu haben. Dadurch habt Ihr einen großen Teil der Welt einfach nicht verstehen gelernt. Vielleicht sollten zukünftige Wahlkämpfe auf dem Gotcha-Gelände ausgetragen werden – oder in World of Warcraft – und nicht in Fußgängerzonen und im Fernsehen.

Miteinander

Seien wir doch mal ehrlich: Raucher haben es in Deutschland nicht wirklich schwer. Sie bezahlen relativ teuer – zuerst mit Geld, dann mit ihrem Leben – Rauchen dürfen sie aber immernoch beinahe überall.
Das akzeptiere ich und habe noch nie einem Raucher meine Gegenwart entzogen. Ich akzeptiere es in meinem Büro, während Besprechungen, auf Klos, in Küchen, Kneipen, Cafés und überall dort, wo sie sonst Zuflucht suchen.
Kann man im Gegenzug nicht erwarten, dass ich, völlig risikolos für die Gesundheit anderer, bei der Arbeit Musik hören darf? Ich mache dafür auch nicht alle zwanzig Minuten sieben Minuten suchtbedingt Pause, bin also sogar noch effizienter.
Stattdessen nerven ständig Kollegen rum, dass sie sich nicht auf ihre Arbeit konzentrieren könnten, wenn nebenbei Musik liefe. Könnte ich auch nicht, wenn ich alle Viertelstunde von vorn anfangen müsste.

Für ein besseres Miteinander. Für mehr Verständnis. Für mehr Toleranz.

Verliebt

Ist es schlimm, selbstverliebt zu sein?
Sicher nicht. Ist erstens gesund und weit weniger nervig, als ständige Unsicherheit. Muss man nicht sich selbst über die Maßen mögen, wenn man meint, wichtig genug zu sein, um sich der Weltöffentlichkeit mitteilen zu müssen?

Sind Blogger verliebt?

Um hier kostenlos Zeile um Zeile schreiben zu können, bedarf es eines Antriebs, der sicher Liebe ist. Beim Einen ist es die Möglichkeit, Seiten von sich zu zeigen, die in der realen Welt niemanden interessieren und sich so sein Selbstbild aufzupolieren und seiner Selbstliebe fröhnen zu können, beim Andern einfach der Druck, schreiben zu müssen, um seine große Liebe, die in der realen Welt existiert, nicht über die Maßen zu behelligen.
Blogger sind also verliebt.

Elis ReginaWir bleiben in Brasilien. Ich habe nicht wirklich aufgehört, Badi Assad und Maria Rita abwechselnd und durcheinander zu hören, das Wetter, das schwer, grau und kalt vor meinem Fenster auf mich wartet, lässt mir keine andere Wahl. Um aber Zusammenhänge erkennen zu können, habe ich die bis jetzt sträflich vernachlässigte Elis Regina-Platte „Enciclopédia Musical Brasiliera“ aus dem Regal gezogen. Auch ausschließlich akustisch instrumentiert sind auf dieser Platte nicht die glattpolierten Stücke, die hierzulande braslianische Musik ausmachen, sondern ein bunter Mix aus rockigen Elementen, Schlager, Balladen und sicherlich echter Folklore. Ein Querschnitt durch Zeit und Stile. Lange nicht so eingängig, wie ihre Tochter, Maria Rita, dennoch nicht weniger schön. Gute Laune veralbumt.

Unbedingt zu empfehlen im Reigen brasilianischer Musik ist sicherlich Sergio Mendez. Mein letzter Versuch, mich heute nochmal aus dem Haus zu bewegen. Beschwingt habe ich mir wenigstens schon mein Frühstück zubereitet. Arschwackelnd lässt sich diesem meteorologischen Fauxpas da draußen immernoch am besten trotzen.

Bin ich klug?

Wenngleich ich wahrscheinlich nicht mit Venus‘ Brüsten mithalten kann, bin ich dennoch schön und möglicherweise sogar klug – schließlich gebührt mir allen Neidern zum Trotz der alleinige Ruhm, ein wirklich kniffliges Rätsel gelöst zu haben. Sebastian (Sprich: TheBestion) hat mir sogar eine Praline angeboten. Ich komme darauf zurück, wenn ich mal wieder in Dresden bin…