Tyrann

Manchmal bin ich ein Tyrann. Heute zum Beispiel saß ich im Café, hinter mir saßen von ihren Kindern sichtlich abgenervte Mütter. Die Kinder, so zwischen drei und vier, nervten zuerst die Bedienung, die sich ihrer zu erwehren suchte, nach laschen Ermahnungen der Mütter.
Irgendwann zogen die Kinder ab in einen Nebenraum, wo sie sich nach allen Regeln der Kunst verprügelten. Ich habe diesen Gesichtsausdruck des Blutrausches noch nicht oft gesehen, noch nie bei so kleinen Kindern, das eine Kind hatte ihn, dennoch unterlag es ständig seinem Widerpart.
Nun hätte ich Folgendes tun können:

  1. die Kinder ermahnen, sie auseinanderzerren
  2. zu ihren Müttern gehen, den Vorgang schildern
  3. warten

Ich habe mich für 3. entschieden. Irgendwann wird einer der Beiden derart unterliegen, dass er schreiend zu seiner Mutter rennt. Vielleicht blutend oder mit einem runterhängenden Arm, um die Mutter eindrücklich auf die Unterlassung ihrer Aufsichtspflicht aufmerksam zu machen.
Denn 1. würde kaum etwas bringen, Erziehung muss von den Eltern, den „Peers“ kommen, 2. würde nichts bringen, weil die Mütter einfach nur genervt von ihrem Auswurf waren.
Schade eigentlich. Und Schade auch, dass diese beiden Brutalos erst ganz am Anfang ihrer Karriere waren. Sie werden in den nächsten Jahren immer mehr von ihren Müttern gezeigt bekommen, wie scheißegal sie ihnen sind, werden immer öfter auf größere Kinder stoßen, denen sie unterliegen. Werden irgendwann das Gefühl bekommen, nur mit möglichst roher Gewalt nicht mehr scheißegal zu sein und werden entweder auf Psychopharmaka gesetzt, oder für immer ein Nutznießer des Fiskus.
Und all das nur, weil zwei bräsige Mütter schon nach 3 Jahren versagt haben.

Advertisements

warum ich nicht mehr im Media Markt einkaufe

Ich wurde schon oft gefilzt.
Vielleicht, weil ich nicht wie jemand aussehe, der den Typen vom Sicherheitsdienst gleich niederschlägt, nur weil er vor einer gaffenden Menschenmenge seinen Rucksack entleeren muss und den Inhalt auch noch Stück für Stück rechtfertigen.

So wurde ich schonmal im Saturn damit konfontiert, dass mein drei Jahre altes MacBook im Standby, die Crumbler-Tasche und das ebenso alte Netzteil ganz sicher nicht mein Eigentum sei, sondern bis eben noch im Saturn-Regal lag.
Klar.

Am Samstag aber baute sich vorm Media-Markt im Schloss in Steglitz so ein in Anzug gegossener Bildungsverweigerer vor mir auf, und verlangte einen Eigentumsbeleg für den Inhalt meiner Einkaufstüten. Ich konnte ihm den Kassenbon zeigen – der genügte ihm nicht. Er verwies auf ein Schild an der Information, das darum bat, mitgebrachte Waren kennzeichnen zu lassen. Und warf mir nun vor, die Ware ausgetauscht zu haben. Vielleicht hätte ich ja ohne Waren, aber mit Kassenbon reingehen können – oder wie auch immer.

1. Vermute ich so eine Klausel nicht und schon gar nicht als bindend, wenn ich ein Geschäft betrete – im H&M muss ich mir auch keine Aufkleber auf alle angezogenen Klamotten pappen lassen.

2. Diese Klausel steht nicht mal beim Betreten des Ladens einsehbar, sondern lediglich an der Information, nämlich da, wo ich mein Eigentum kennzeichnen lassen muss.

3. Soll mir die Kennzeichnung sicherlich nur helfen, später meinen Besitz an der Ware beweisen zu können. Muss ich aber gar nicht, Media-Markt muss mir einen Diebstahl nachweisen, nicht umgekehrt.

Dafür gibt es übrigens 4. hinreichende Methoden.

wer braucht Wahrheit?

Wozu nützt die Wahrheit, wenn sie uns doch soviele interessante Geschichten gar nicht zu Ende denken lässt? Dachte ich, nachdem ich las, was die Berliner Zeitung Wiefelspütz sagen lässt, was dieser glaubt, nicht gesagt zu haben und wie Ahne die Wende etwas vereinfacht.
Wir alle wissen, dass es in Deutschland (und nicht nur dort) nur eine Frage der Zeit ist, bis im Internet unbequeme Wahrheiten vertuscht und der Mehrheit vorenthalten werden – egal, ob nun Wiefelspütz oder die Berliner Zeitung schwindeln.

Servicewüste Deutschland

Vor Kurzem habe ich mir ein Auto gekauft.
Ford Ka.
11 Jahre alt.
Bestimmt für den Export in irgendein Land ohne TÜV, für den Transport von Hühnern übers Gehöft oder die Familie über die mongolische Pampa – jedenfalls nicht für den Einsatz auf einer deutschen Straße.

Der wahrscheinlich pakistanische Verkäufer war aber sofort bereit für einen kleinen Aufpreis alle Löcher zuschweißen und TÜV und AU machen zu lassen. Ich gab also einem Mann, der sich redlich bemühte, meine Sprache zu sprechen, all mein Geld, meinen Personalausweis und meine Telefonnummer – und rechnete damit nichts davon je wiederzusehen.

Wie vereinbart rief er an, um den Werkstattstatus durchzugeben und dass das Schweißen etwas aufwändiger würde, obwohl er all mein Geld und meinen Personalausweis hatte, wartete er drei Stunden über seine Öffnungszeiten hinaus, dass ich mein Auto abholte und übergab es mir mit TÜV und fertig angemeldet.

Kurz darauf hatte ich kleines Problem mit meiner Tür und fuhr zu einer großen deutschen Meisterwerkstatt, wo man mir zusicherte, dass man sowas reparieren könne, aber erst nach hartnäckigem Nachfragen, was das dann kosten würde.
Ich willigte ein und brachte Tags darauf meinen kleinen KA hin. Irgendein Typ nahm meinen Schlüssel entgegen und verabschiedete mich mit den Worten, dass der Meister ja wohl Bescheid wisse.

Es gab keinen Anruf – wie auch, ohne meine Nummer. Als ich das Auto abholen wollte konnte mir niemand sagen, was nun alles gemacht wurde, der vorher berechnete Preis wurde um 10% überschritten ohne mich zu fragen – wie auch, ohne meine Nummer.

Wenn also zukünftig irgendwas mit meinem Auto ist, werde ich meinen Pakistanischen Händler bitten, sich darum zu kümmern. Wissend, dass er vielleicht keine Ahnung von meiner Muttersprache, dafür aber von Service hat.

Über Rad und Baum

DSC00144Neulich wurde mir wiedermal mein Fahrrad geklaut. Aus dem Keller. Abgeschlossen. Angeschlossen.
Nun habe ich mich darauf eingestellt, in einem extrem asozialen Kiez zu wohnen, wo man möglicherweise auch auf offener Straße bespuckt oder ausgeraubt werden könnte.
Umso verwunderter war ich, als ich vorgstern unseren Weihnachtsbaum nach draußen stellte, damit auch Anderer an seiner bäumischen Anmut partitzipieren könnten.
Ich ging fest davon aus, dass er umgestoßen, zerbrochen, bemalt oder wer weiß wie geschändet würde – in einer Gegend, in der man angeschlossene Fahrräder stiehlt. Stattdessen steht er unberührt. Schon seit zwei Tagen. Mitten auf dem Gehsteig.
Versteh sie einer.
Diese Menschen.

Relaunch in 10 Minuten

Eine kleine Nachrichtenseite soll ein wenig überarbeitet werden. Technisch auf den neuesten Satnd gebracht, aber ohne große Gimmicks und schnell schnell.

Wir: Was bedeutet in Ihrem Entwurf eigentlich der Link „Anzeigen“?

Kunde: Ach, das ist so eine Seite, wo man Auto-, Immobilien- und Stellenazeigen lesen kann.

Wir: Was denn für Anzeigen?

Kunde: Na die kann man auf dieser Seite auch aufgeben. Vielleicht erstmal kostenlos. Wenn jemand aber mehr als eine Anzeige aufgibt, dann läuft er automatisch ins SAP ein und bekommt eine Rechnung.

Ich nehme mir dann also mal übers Wochenende nichts vor und baue eBay nach…