ups and downs

Auf ben_s sehr guten Post hin, habe ich mir sofort das neue Jazzkantine-Album „Hell’s Kitchen“ aus meinem iTunes gepresst. Ich finde ja Cover gut, und wenn sie auf richtigen Instrumenten von richtigen Menschen gemacht sind, umso mehr. Ich habe schon nicht gezögert, mir „Rock swings“ von Paul Anka druckfrisch zuzulegen, so ists, dachte ich zumindest, nur konsequent, auch die neue Jazzkantine zu besitzen.

Zum Glück bin ich kein Fan

Der Satz fasst eigentlich gut zusammen, was ich meinem Neuerwerb gegenüber empfinde. Ich mag Jazzkantine nicht so, als dass ich die Platte gutfinden müsste, ich mag Metallica nicht so sehr, dass ich die Platte Scheiße finden müsste. Sie ist weder gut noch schlecht, lebt aber zugegeben von den geladenen Gastmusikern. Ganz vorn und das Highlight des Albums ist „Back in Black“ mit Max Mutzke. Um den Tiefpunkt buhlen gleich mehrere Titel, „Smoke on the Water“ hat dann aber doch recht klar das Rennen gemacht, weil es schon wieder Begabung bedarf, eine so gute Vorlage derartig unterirdisch zu interpretieren. Seicht, instrumental und so flach, dass selbst André Rieu beim Hören einschlafen würde.

Unfassbar

Deutschland ist so eine Art Weltmeister. Viertelweltmeister. Die ganze Welt und der gesamte Fernseher wissen nichts anderes zu zeigen. Einzig 3sat versprach Abwechslung: Die großartige Lizz Wright. Doch was kommt? Raul Midón. Unfassbar. Ein unerreichter Jazzmusiker. Ich spiele seit, inzwischen kann man sagen Jahrzehnten, Gitarre – aber was er da macht ist übermenschlich. Dazu singt er oder spielt Trompete – allein mit dem Mund! Raul Midón macht nicht Musik — er ist Musik.

the Köln Concert

Silje NergaardEndlich. Zuerst lag sie unterm nadelnden Baum und später dann auf all den anderen guten Dingen. Jetzt liegt sie bei mir im Player.
Silje Nergaard. Live. In Köln.
Der gute Surround-Sound saugt mich sofort ein. Ich stehe ganz vorne, ganz dicht vor dieser wunderbaren Sängerin mit dieser unglaublich hellen, glockenklaren, beinahe naiven Stimme. Dort steht sie, um mich herum Menschen, die atemlos verzückt zuhören, um sie herum beeindruckend gute Musiker. Allen voran Tord Gustavsen, der Klavier und Orgel mal perkussiv, mal schmeichlerisch gefühlvoll sie streichelnd bedient und vor „Be still my heart“ ein Solo hinlegt, das das Publikum vor Atemlosigkeit blau anlaufen lässt.
Im folgenden „Take a long long walk“ ist es noch so benommen, dass es den Groove erst in Björn Charles Dreyers mitreißendem Gitarrensolo aufzunehmen vermag.
Im „Lullaby to Erle“, einem Schlaflied für ihre ältere Tochter, zeigt Frau Nergaard alles, was sie ausmacht. Begleitet allein von Gitarre und Bass lenkt mich nichts von ihrer Stimme ab. Man hört sie, sieht in ihre großen Augen und glaubt ein Mädchen, kaum älter als 16 vor sich zu haben. Dieses Schlaflied nimmt mich gefangen, ich spüre es warm auf der Haut.
Wunderbar.
Ich vergesse all die Leute um mich herum, all die Gaffer. Nur Silje und ich.
Klanggeworden durchziehen wir das Nichts in meinem Kopf.

Schade, dass ich mal wieder irgendwas Superwichtiges vorhatte, als sie hier in Berlin in der Philharmonie war. Schön, dass es diese sensationelle DVD gibt.

slow down

Wenn man heutzutage in ein Plattengeschäft geht, hat man das Gefühl, Weihnachten würde demnächst abgeschafft. Allerorten findet man eilig fertiggestellte „Best of“s oder eben eigens für das Fest des Schenkens aufgenommene CDs. Auch Jane Monheit hat seit einer Woche ein Weihnachtsalbum im Portfolio. Drauf sind bis auf eine Ausnahme all jene Lieder vertreten, die Diana Krall ausgelassen hat. Zu Recht, möchte man beinahe sagen, denn „The Season“ langweilt doch ziemlich schnell. Auch wenn einige spritzige Nummern, wie „This Christmas“, ein wunderschönes Lied, das ich immernoch in einer Interpretation von Vonda Shepard (auf Very Ally Christmas) im Ohr habe, darauf vertreten sind, wird dieses Album nach Weihnachten wohl eher selten den Weg in den CD-Player finden. Schade Jane.

Wintervorbereitung

Kalt ists. Ich sitze im Warmen. Habe Lust, zu chillen. Auf der Couch, ein Glas Rotwein. Wonach klingt dieser Moment? Blind greife ich ins Regal, dorthin, wo die Musik für kalte Momente und Rotwein steht, und halte Jane Monheit in der Hand. Gehört habe ich alle ihre Alben und alle sind so wunderbar ruhig. Lied für Lied klingende Ruhe.
Dunkel ist es draußen und dunkel ist auch diese Stimme, die zärtlich umschmeichelt von Geigen Ton für Ton in diese dunkle Stille tupft. Sehr schön zur Geltung kommt sie auf dem Album „In the sun“. Sind die anderen Alben wirklich schöner Jazz, Beweise für ihre Kunstfertigkeit, ist „In the sun“ etwas weichgekochter, unaufgeregter. Genau richtig, ganz allein, unbeobachtet das zu machen, was wir viel zu selten tun. Leben. Genießen.
Jane wird mich wohl auch noch ein Stückchen begleiten, denn wie ich gerade gelesen habe, hat auch sie ein kleines Weihnachtsgeschenk für mich vorbereitet. „The Season“ – eine Platte zu Weihnachten.

let it snow

Es weihnachtet.
Eigentlich jedes Jahr. Jedes Jahr schon seit Oktober. Das Ungewöhnliche an diesem Jahr sind die unweihnachtlichen Temperaturen. Und trotzdem hohhohhoht es einem überall entgegen, wirklich leckere Milka-Weihnachtsmänner säumen beim Einkaufen den Weg und raunen sich zu, „Der nimmt uns schon noch mit“, womit sie nicht ganz unrecht haben. Es sei denn, es bleibt so warm. Dann wird es schwer, Knecht Ruprecht in seiner ursprünglichen Form bis nach Hause zu bekommen, ohne dass er dort aussieht, wie ein Osterhase vom letzten Jahr.
So warm, dass die Musik- industrie sich Sorgen machen müsste, ist es nicht. Weihnachten wird auch dieses Jahr Unsummen über die Ladentische spülen. Um aber ganz sicher zu sein, bietet Verve das ultimative Geschenk für Swing-, Jazz- oder wahlweise Schönheitsliebhaber: Diana Krall singt Weihnachtslieder.
Egal, was Diana Krall singt – es ist gut. Sie ist eine jener Musiker, die es schaffen, Jazz-CDs zu verkaufen, als wäre Pop drauf, ohne die Musik zu verflachen oder in Mitleidenschaft zu ziehen. Jede ihrer Platten ist empfehlenswert. Auch auf Vinyl. „The girl in the other room“ lässt mich zwar viermal aufstehen, um das Album komplett zu hören, dennoch ziehe ich die Schallplatte der viel bequemeren CD vor.
Und jetzt singt sie Weihnachtslieder. Wunderschön, gefühlvoll, typisch Diana Krall. Zeitlos interpretiert, kann man das Album auch im Juli auflegen. Eine wunderbar eingespielte Band schmachtet im Hintergrund, während die Krall singt und immer wieder perlt ihr Klavier unaufdringlich.
Obwohl kein Lied zu fehlen scheint, klingt es nicht, wie diese typischen Compilations, die man nach drei Liedern nie mehr auflegt.
Ich weiß auch schon, wem ich sie schenke: mir.