MacBook, Javascript und Firefox

Die Ereignisse überschlagen sich. Beinahe hätte ich Steve Jobs Keynote verpasst, weil ich mir gerade Chris Heilmanns „Maintainable Javascript“ Tutorial angesehen hatte.
Hier beschreibt er, wie man möglichst verhindert, dass Scripte schon nach wenigen Monaten Einsatz selbst für den damalien Urheber nicht mehr wartbar sind. Wie man Javascript in seinen Seiten richtig einsetzt und wie man mit Javascript das Aussehen von HTML-Seiten richtig verändert. Dies erscheint mir so wichtig, dass ich es hier nochmals zitieren möchte:
Natürlich kann man mit Javascript und
Element.style.height = neuerWert;
das Aussehen einzelner Elemente verändern. jQuery drängt sich hier mit
Element.css({ height: neuerWert });
geradezu auf. Viel besser jedoch ist in jQuery
Element.removeClass(alteKlasse);
und
Element.addClass(neueKlasse);.
In normalem Javascript löst das
Element.className = „neueKlasse“;.
Das Aussehen wird hier weiterhin über das Stylesheet und css-Klassen, nicht über ein viel schwerer wartbares Script bestimmt.

Diese Zeilen schreibe ich übrigens mit dem Wunsch, möglichst bald das neue MacBook zu besitzen und im neuen Firefox 3.1 beta1, bei dem sich nicht wahnsinnig vie geändert hat – bis auf den wirklich spürbaren Geschwindigkeitsgewinn.
Wow. Damit ist er gefühlt nahezu gleichauf mit Iron, dem entgoogelten Chrome.

„böser google“

So, jetzt fanden wir chrome alle toll -Zeit chrome mal so richtig Scheiße zu finden. Das denken sich wahrscheinlich die Leute, die verpasst haben, rechtzeitig zum Launch des Browsers in die Lobeshymnen einzustimmen und dennoch irgendwas über chrome schreiben wollen/sollen. So auch zB. silicon.de, deren Artikel sich gleich zu Datenschnüffelei, Spionage und Ähnlichem aufblähen lässt.

Budder bei die Fische

Erschreckt von solcher Panikmache, die ich eher noch dem ZDF oder RTLexplosiv zugetraut hätte, habe ich einfach mal meine Chrome-Sessions Request für Request auf meinem Proxy analysiert. Dabei ist mit nichts Außergewöhnliches untergekommen. Auffällig ist natürlich, dass während einer Adresseingabe in die Adresszeile ständig Anfragen an client1.google.de rausgehen. Die Antworten sind serialisierte Javascript-Objekte (Json) und finden sich in den Suchvorschlägen der Adressleiste wieder.
Na klar kann google diese Anfragen speichern. Für die Eingabe meiner Blog-URl erhält google je nach Schreibgeschwindigkeit 2 bis 8 Requests mit cyb, cybere, cyberer.wordpr, wobei die vollstänige URl nur übermittelt wird, wenn sie in den Suchergebnissen angeklickt wurde. Das ist genau das Verhalten, das google auch bei der ganz normalen Web-Suche, egal, ob über http://www.google.de oder den Suchschlitz im Browser zeigt.
Freunde: Google speichert Daten!
Guten Morgen!
Herzlich Willkommen im Internet!
Das ist schon seit Jahren so und übrigens, last.fm macht das mit der gesamten Musik, die Ihr hört, wenn Ihr irgendwo das Plugin installiert habt. Und iTunes erst!
Der Grund wird uns irgendwann in einer personalisierten Suche beschert werden, in besser auf uns abgestimmter Werbung neben den Suchergebnissen und auf allen Webseiten, die Werbung enthalten.
Naund?

so what?

Naklar kann man im Firefox, in Opera und sogar im Internet-Explorer eine Adresse eingeben, ohne dass Google davon erfährt. Und wenn diese Seite weder Google-Ads, noch google-Analytics benutzt, wird google auch nie von diesem Besuch erfahren.
Bei meiner Requestanalyse traf das auf genau eine Seite zu. Eine von mir selbst gehostete html-Seite.

Mich nerven übrigens schon seit Längerem penetrante Anrufe ab kurz nach sechs von Halbtagsstudenten, die mir irgendwelche Lamadecken, Butterfahrten und Immobiliendeals vorschlagen wollen. Die haben meine Daten von der Telekom oder irgendeinem anderen ähnlich unprofessionell oder gar grob fahrlässigen Unternehmen.
Und die nerven!

meinem google sein Inhalt

Eigentlich ist über chrome inzwischen alles geschrieben worden. Sehr ausfühlich unter anderem von Johnny Häusler. Ich könnte jetzt auf einige Funktionen tiefer eingehen. Auf die Entwicklerfunktionen, die wir hauptsächlich aus Apples Safari kennen. Ich könnte ein paar Fragen stellen, die beinhalten, warum google das nach vielleicht zwei Jahren Arbeit schafft, und nicht Microsoft. Oder warum google eine Version 0.3 launcht, die nahezu fertig scheint, und das auch noch in 100 Sprachen!
Über die Gründe schreibt zum Beispiel _ben. Erstaunlich aber, was Sacha Lobo twittert: Laut AGB erwirbt google automatisch eine Lizenz an unserem Content.:

11. Inhaltslizenzierung von Ihnen

11.1 Das Urheberrecht sowie sämtliche anderen Rechte, die Sie hinsichtlich Ihrer mithilfe der Services übermittelten, eingestellten oder angezeigten Inhalte bereits besitzen, verbleiben in Ihrem Besitz. Durch das Übermitteln, Einstellen oder Anzeigen von Inhalten erteilen Sie Google eine unbefristete, unwiderrufliche, weltweit gültige, unentgeltliche und nicht exklusive Lizenz zum Vervielfältigen, Anpassen, Modifizieren, Übersetzen, Veröffentlichen, zum öffentlichen Darstellen und Anzeigen sowie zum Vertreiben sämtlicher mithilfe der Services übermittelten, eingestellten oder angezeigten Inhalte. Diese Lizenz dient einzig dem Zweck, Google das Anzeigen, Vertreiben und Bewerben der Services zu ermöglichen, und kann gemäß den sonstigen Bedingungen des jeweiligen Service jederzeit wieder entzogen werden.

11.2 Sie erkennen an, dass diese Lizenz Google dazu berechtigt, die Inhalte anderen Unternehmen, Organisationen oder Personen zugänglich zu machen, die mit Google zum Zweck der Bereitstellung syndizierter Services zusammenarbeiten, sowie die Inhalte im Rahmen der Bereitstellung solcher Services zu nutzen.

11.3 Sie erkennen an, dass Google im Zuge der technischen Schritte, die zum Bereitstellen der Services für deren Nutzer erforderlich sind, dazu berechtigt ist, (a) Ihre Inhalte über mehrere öffentliche Netzwerke und verschiedene Medien zu übermitteln und zu vertreiben und (b) Änderungen an Ihren Inhalten vorzunehmen, die erforderlich sind, damit die Inhalte den technischen Anforderungen der angeschlossenen Netzwerke, Geräte, Services oder Medien entsprechen. Sie stimmen zu, dass Google durch diese Lizenz die Berechtigung zum Durchführen dieser Aktionen erteilt wird.

11.4 Sie versichern gegenüber Google, dass Sie über alle erforderlichen Rechte, Befugnisse und Vollmachten verfügen, die weiter oben genannte Lizenz zu vergeben.

Zugegeben, ich habe bei noch keinem Browser in die AGB geschaut, bei google chrome fand ich aber schon interessant, zu sehen, was google mir zusichert. Interessant ist, dass sich beim Firefox keine ähnliche Klausel finden lässt, obwohl google sicherlich das Gros der für die Entwicklung bei Mozilla nötigen Spenden aufbringt.
Nun bietet diese Klausel enormen Interpretationsspielraum. Denkbar währen technisch notwendige Änderungen am Content, gemeint ist sicherlich ein wenig mehr. Mal sehen, wie lange google diese Zeilen unverändert lässt, und was sie uns dazu erklären werden.
Ich bin gespannt.

google-chrome

Google hat am Anfang alles richtig gemacht. Während die Konkurrenz ihre Seiten über und über mit Bildern und Texten überlud, hatte google.com nichts weiter als einen Suchschlitz auf seiner Seite. Und plötzlich war jedem klar, was er hier wollte.
Beim Bauen ihres Browsers ist google denselben Weg gegangen. Der Browser ist anfangs nur eine Adressleiste, die während der Eingabe erstaunlich performant das Netz durchsucht. Öffnet man ein neues Tab, sind auf der noch leeren Seite wichtige vorher besuchte Seiten und kürzlich geschlossene Tabs angeordnet. Allein mit diesen Features und dem unprätentiösen Auftreten kann sich diese frühe Entwickler-Version schon mit den Großen messen.

Speed

Taskmanager

Taskmanager

Unter der Haube steckt Webkit – die unfassbar schnelle Engine des Safari, Javascript wird ähnlich wie bei Tracemonkey für den Firefox und SquirrelFish für Webkit vorher kompiliert, was die Scriptgeschwindigkeit erhöht. Ähnlich, wie im IE8 läuft jedes Tab in einem eigenen Prozess, man kann also weiterbloggen, während sich im Nachbartab gerade ein Javascript aufgehängt hat.

Google hat gezeigt, dass es auch ganz einfach sein kann. Das hat schonmal ganz gut geklappt.
Ich bin gespannt, wie es dieses Mal läuft.

zum Download