neulich nachts…

Ich habe ja eigentlich einen guten Schlaf. Ich schlafe nicht wirklich viel, dafür aber fest und schnell.
Wenn ich also nachts wach werde und bleibe, muss schon etwas wirklich besorniserregend lautes passieren.
So auch neulich nachts, als kurz nach 3, das sind etwa drei Stunden nach Mitternacht, unser Nachbar vom Balkon schreiend auf sich Aufmerksam machte.

Wie nennt man eigentlich diesen Zustand, der weit über „angeheitert“ hinaus geht, aber noch nicht ganz „nicht zurechnungsfähig“ ist? Jedenfalls stand er in diesem Zustand da und schrie. Darauf aufmerksam gemacht, dass es mitten in der Nacht sei, dass alle anderen Hausbewohner gerne schlafen würden und dass er deshalb durch Verkürzung der Entfernung zu seinem Diskussionspartner nahezu proportional auch die Lautstärke verringern könne und andernfalls die Polizei ihm dabei behilflich sein würde, schrie er nicht weniger laut, dass er sich jetzt und in Zukunft gar nicht sagen lassen werde und dass die Polizei schon bestellt sei.

Trotzdem entfernte er sich vom Balkon um die Wirksamkeit des physikalischen Gesetzes der Verringerung der Lautstärke zu überprüfen. Auf der Straße wurde dieser Abstand und somit die Gesprächslautstärke aber nicht verringert, der Streit wurde nun ebenerdig ausgetragen, was aber zumindest den Abstand zum Schlafzimmerfenster vergrößerte. Puh.

Dann Sirenen und kurz darauf Bremsenquietschen auf der Straße. Die Polizei war da. Gleich mehrere Freunde und Helfer wollten sich ein Bild von der Auseinandersetzuung machen und ließen sich von den Streitenden auf den letzten Stand bringen.

Unser Nachbar, der sich grundsätzlich im Recht wähnte und eben deshalb auch die Polizei rief erfuhr nun, dass er seinen Streitpartner weder bedrohen, noch dessen Handy aus dem Fenster werfen darf, um halbwegs guten Gewissens der Polizei gegenüber zu treten. Da wir ja aber nicht nur in einem Rechtsstaat, sondern sogar in einem demokratischen Rechtsstaat leben, dachte unser lieber Herr Nachbar, dass es ja nun ausreiche, seine Frau für ihn aussagen zu lassen.

Draußen wurde es langsam hell und mir fielen die Augen zu, als unser Nachbar nun wieder in der Wohnung seine Frau zu überreden suchte, die Herren von der Polizei von seiner Rechtschaffenheit zu überzeugen. Beim „Gestikulieren“ müssen ihm dann ein paar Bierflaschen vom Tisch gefallen sein, schließlich wird er ja wohl keine Gewalt gegen seine mürrisch antwortende Frau gewendet haben, die ja für ihn Partei ergreifen sollte.

Irgendwann nach 4 muss unser Herr Nachbar dann aber doch zusammengebrochen sein, so dass ich wieder einschlief.

Am nächsten Tag, es war schon Abend, schellte es an der Tür. Auf dem Flur roch es erbärmlich nach kaltem Rauch, ausgeschwitztem Bier und frischer Fahne. So also sieht unser Nachbar bei Lichte betrachtet aus. Ich versuchte mich in einem verzeihenden und gutmeinenden Blick als der schon wieder weit über die Geselligkeit hinaus angeheiterte Anrainer mich anfuhr, dass er sich von uns gar nichts sagen lasse und dass er wegen Beleidigung gegen uns vorgehen werde. Darüberhinaus rief er, dass er des Nachts anders, als von mir gehört, gesehen, gerochen und oben beschrieben ja nicht vom Balkon, sondern unten von der Straße schrie und wir somit ja gar nicht das Recht gehabt hätten, ihn um Ruhe zu bitten.

Irgendwie muss ich in diesem Moment aus meinem Blick-Konzept gekommen sein. Ich wies ihm darauf hin, dass es nachts um vier egal sei, wo er stehe und schreie, ich könnte ihn jeder Zeit um Ruhe bitten, was irgendwie nicht in sein Rechtsempfinden passte.

Schließlich ist die Straße rechtsfreier Raum und in seiner Wohnung hat nur er Recht.

Die Welt scheint so einfach mit über drei Promille…

Gegen Drogen…

Ich weiß nicht, nehmt Ihr Drogen?
Rein interessehalber.
Unter der Woche trinke ich viel zu viel Kaffee. Und Ihr?

Ich dachte eigentlich immer, dass Gras irgendwann legalisiert wird. Okay, es stinkt. Stattdessen werden Zigaretten geächtet. Okay, die stinken auch.
Aber warum um Gottes Willen unternimmt niemand etwas gegen die gefährlichste, die hässlichste aller Drogen?
Heute, auf dem Seeed-Konzert steht hinter mir so ein Typ mit einem halben Bier in der Hand. Einem Bier in Plastikflasche. Allein dieser Gedanke ist schon abartig genug. Dieser Typ, geradeso noch in der Lage, sich auf den Beinen zu halten, kommentiert alles, was auf der Bühne passiert. Bis er dann, irgendwann, seinen Oberkörper leicht nach vorne sacken lässt. Gerade so viel, dass seine Beine noch einen Schritt machen können, um ihn vor dem Umfallen zu bewahren. Dabei stützt er sich auf meiner Schulter ab und lallt mir irgendwas ins Ohr. Ich kann, nein, ich kann nicht anders, als seinen Atem zu riechen. Bier ist darin und der Geruch mehrerer verwesender Körperteile. Ich verstehe ihn nicht. Auch nicht nach wiederholtem Wiederholen. Bis ich dann verstehe, dass es lustig sein soll. Er hat einen Textbrocken falsch verstanden und wollte mir das mitteilen.
Nett.

Warum Gras. Warum Zigaretten, wenn doch die schlimmste aller Drogen völlig legal zu jeder Tageszeit in Massen für jeden erhältlich ist. Eine Droge, die arme, hirnlose, stinkende Abhängige hinterlässt, die einen viel qualvolleren Tod sterben, als jeder Einbeinige mit Lungenkrebs. Einen makaberen, hirnlosen Tod, bis zu dem sie wahrscheinlich noch drei, vier Familienangehörigen das Leben ruiniert, zwei Bäume angefahren und dabei zwei Freunde verloren, hunderten Menschen leid getan und tausende Menschen angeekelt haben.

Wie wäre es mit einem absoluten Alkoholverbot für Privatpersonen? Es könnte Alkohol in Form von Wein in Restaurants geben, in Form von Cocktails an einer Bar. Aber das Bier an der Tanke und im Supermarkt könnte einen dieser neuen Chips tragen, der diese blinkenden Tore am Augang jedes Ladens piepsen lassen würde, denn es wäre durch die Alkoholsteuer so teuer, dass wir damit Gesundheits- und Rentenreform finanzieren könnten.

Nie mehr genervt auf einem Seeed-Konzert.
Das wäre es wert.